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HISTORIE

Tausendsassa Alois Piotrowski

Der Versuch eines Rückblicks

Bereits vor dem zweiten Weltkrieg hatte es an der Volme den ersten Schachverein gegeben. Damals – gegründet im Jahr 1939 – trafen sich die Denksportler in der Gaststätte Kriegeskorte an der Volmestraße. Man war jedoch zum Scheitern verurteilt, mit dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges endete die kurze Geschichte des ersten Klubs in Schalksmühle.

Zwar dauerte es nach Ende des Weltkrieges 14 Jahre bis die Bestrebungen aus dem Jahr 1939 wieder aufgenommen wurden, die Gaststätte Kriegeskorte war jedoch schon vorher wieder Treffpunkt der Schachcracks geworden. Letztendlich gab ein aus Ungarn emigriertes Ehepaar die Initialzündung für den aktiven Vereinsschachsport in der Volmegemeinde. In Mode gekommen waren zu dieser Zeit die Betriebsschachgruppen. Sie existierten bei Berker, bei Kuhbier, bei Busch/Jäger und nicht zuletzt bei Falkenroth & Söhne. Bei letzterer Firma war Arpard Slama beschäftigt. Der Ungar war ein begeisterter Schachspieler, und fast jede Pause wurde genutzt, um sich mit den übrigen Freunden des königlichen Spiels zu messen. An improvisierten Brettern und Figuren ging man dem Hobby nach. Einer der liebsten und stärksten Gegner von Arpard Slama war damals Alois Piotrowski, der Mann, der bereits seit 1953 an der Gründung eines Vereines gearbeitet hatte, und der im späteren Verlauf die Geschichte des Schachclubs fast alleine schreiben sollte.
Doch zurück zur Schlüsselrolle des Arpard Slama. Dessen Frau nämlich arbeitete bei der Firma Berker. Über diesen Kontakt des ungarischen Ehepaars wurde das erste Freundschaftsspiel zwischen den Betriebsmannschaften durchgeführt. Es war der Beginn des gemeinsamen Schachspiels über die Betriebe hinaus. Es dauerte nicht mehr lange, und der Schachclub 1959 Schalksmühle/Hülscheid war gegründet. Nun hieß das Spiellokal zwar nicht mehr "Kriegeskorte", sondern "Westfälischer Hof", doch die führenden Köpfe waren dieselben. Zum ersten Vorstand im Jahr 1959 gehörten Alois Piotrowski, Karl Pawlitz, Rudi Seifert, Otto Kinnigkeit und Emil Klosek. Schachbretter und Figuren wurden von Spenden der Gründungsmitglieder finanzier. Bei der Gründungsversammlung ging der erste Kassenwart des Vereins – Emil Klosek, ein Schmied aus der Firma Falkenroth – mit seinem Hut durch die Reihen und sammelte die Spenden. Beiträge gab es zu diesem Zeitpunkt schließlich noch nicht.



25 Spieler bei der ersten Vereinsmeisterschaft



Der Turnierbetrieb startete mit der Vereinsmeisterschaft, an der die unglaubliche Zahl von 25 Schachspielern teilnahmen. 22 Punkte fuhr bei diesem Turnier Alois Piotrowski ein, und so wurde der erste Vorsitzende auch erster Vereinsmeister des Klubs. Damit nicht genug sicherte sich Piotrowski in diesem Jahr auch noch die Ortsmeisterschaft und den Blitztitel. Ein Hattrick, der der Auftakt zu einer sagenhaften Erfolgsserie des heutigen Ehrenvorsitzenden bilden sollte. Zur Ehrung ließen sich die damaligen Bürgermeister von Schalksmühle und Hülscheid nicht lumpen. Der Hülscheider Repräsentant, Fritz Weyland, war besonders erfreut darüber, dass der Name seiner Ortschaft im Vereinsnamen auftauchte und ließ dem Schachclub wie sein Schalksmühler Pendant, Ernst Brune, eine finanzielle Hilfe zukommen, zeigte sich auch in der Folgezeit als Gönner des Vereins und besuchte in unregelmäßigen Abständen auch die Spielabende. Die Finanzspritze der Kommunen nutzte der Verein im Gründungsjahr für die Anschaffung von eigenen Schachuhren, auf die man mächtig stolz war.
Erstaunlich erfolgreich waren auch die ersten Bemühungen in Mannschaftsspielen. Die erste Partie in der Vereinsgeschichte gewann man in Dahl in der Besetzung Piotrowski, Janischewski, Meyer, Kinnigkeit, Ganskopf, Schwenzig, Ullrich, Fünfstück, Bormann und Wiegand mit 7:3, und auch wenig später bei einem Gastsspiel bei den Königsspringern Lüdenscheid verließ man als Sieger die Bretter. Die erste Niederlage der Chronik setzte es im dritten Spiel in Halver. Auch dort schlug sich der junge Verein allerdings glänzend und unterlag nur knapp.
Im Zuge der sportlichen Erfolge realisierte das Team um Spitzenspieler Alois Piotrowski in der Saison 1963/64 den Aufstieg in die Bezirksklasse, in der man auch heute noch spielt. Der Weg in höhere Klassen wurde versucht, zuletzt spielte man Ende der 80er Jahre noch einmal kurzzeitig in der Bezirksliga, etablieren konnte sich die Mannschaft aus der Volmegemeinde in dieser Klasse allerdings nicht.
Für Überraschungen waren die Schalksmühler am ehesten in ihrer ersten Zeit gut. Unvergessen bleibt der Sieg beim Sauerlandpokal im Jahr 1964. Der heutige Spielleiter Uldis Saturins war gerade zum Verein gestoßen, als man in Attendorn diesen tollen Sieg feiern durfte. Dabei hatte man eigentlich gar nicht teilnehmen können, stand doch keine Fahrmöglichkeit zur Verfügung. In der Not fuhr das Schalksmühler Team mit einem Taxi bis Attendorn. Es war ein Freundschaftspreis: 70 Mark für Hin- und Rückfahrt. Vor allem die Rückfahrt wurde natürlich zur Triumphfahrt, hatte man doch den großen Nachbarn, Schachvereinigung Lüdenscheid und SV Halver, im Stechen den Sauerlandpokal abgenommen. Es sollte der einzige Sieg bei diesem Turnier bleiben.
Zum 10jährigen Jubiläum des Vereins im Jahre 1969 gelang dem Schalksmühler Team das Kunststück, die deutlich höher eingeschätzten Nachbarn zu besiegen, allerdings noch einmal. Acht Mannschaften hatte man zum Jubiläumsturnier geladen, und auch hier setzte man sich am Ende im Stechen gegen die Schachvereinigung durch. Damals überreichte Bürgermeister Paul-Gerhard Mühlen den Schalksmühlern die Jubiläumsplakette mit den Worten: "Diese Plakette hätte ich auch gerne einer Gastmannschaft überreicht, womit ich eigentlich auch gerechnet habe."



Roger Berghaus war das größte Talent



Auch in der Jugendarbeit leisteten die Schalksmühler gute Arbeit. Roger Berghaus war wohl das größte Talent. Er wurde mehrmals Jugend-Südwestfalenmeister und holte sich im Bezirk auch den Blitztitel. Ebenfalls sehr begabt, aber stets hinter Berghaus Zweiter, war zu dieser Zeit Dietrich Haake. Auch ein Bundesliga-Spieler machte seine ersten Züge im Volmeort. Gerhard Clever wechselte aber früh nach Lüdenscheid und feierte seine größten Erfolge erst bei seinem Studium in Münster. Später spielte er in der Bundesliga für Augsburg.
Im Vereinsmanagement gab es beim Schachclub 1959 Schalksmühle/Hülscheid nicht viele Wechsel. Vier Vorsitzende hatte der Klub im Lauf seiner Geschichte in 35 Jahren, 30 Jahre lang bekleidete dabei Alois Piotrowski das Amt des ersten Vereinsvertreters. Anfang der 80er Jahre schien die Wachablösung gekommen. Es übernahm Rüdiger Bock den Vorsitz. Bock aber trat schon nach einem Jahr zurück. Er hatte ein schweres Erbe anzutreten gehabt, mußte sich gleich zu Beginn seiner Amtszeit nach einem neuen Spiellokal umsehen. Dies fand er im Strücken. Die Mitglieder blieben jedoch aus, wollten den Weg in den Strücken nicht in Kauf nehmen. Entnervt gab Bock auf. Mit ihm warf auch Kassierer Manfred Orlowski das Handtuch. Retter in der Not war Alois Piotrowski, der sich wieder als erster Vorsitzender zur Verfügung stellte und dem Schachclub ein Heim bei der katholischen Kirchengemeinde suchte. Pfarrer Wiehtüchter machte damals seinen Einfluß beim Bistum Essen geltend. So kamen die Denksportler im Verwaltungsgebäude unter und durften für größere Veranstaltungen auch den Raum unter der Kirche nutzen. 200 Mark im Jahr bezahlte der Klub und war dankbar, ein zentral gelegenes Heim gefunden zu haben. Nach zwei Jahren war aber auch in der Kirche kein Platz mehr für die Schachspieler, die vorher bereits dreimal am Westfälischen Hof (bei verschiedenen Wirten), bei Piepenstock, der Dahlerbrücker Gaststätte Schemm, der Dahlerbrücker Turnhalle und der Gaststätte in der Schalksmühler Jahnturnhalle Station gemacht hatten.



Die Wandervögel vom Schachverein



Es fand sich dann allerdings erstmals eine längerfristige Lösung. Der Schachclub kam – unterstützt von der Gemeinde und den Fraktionen, allen voran Bürgermeister Mühlen – im alten Rathaus in der Viktoriastraße unter. Dort residierte man vergleichsweise fürstlich bis 1994, renovierte die Räumlichkeiten in Eigenarbeit Anfang der 90er-Jahre sogar. Es sollte jedoch keine endgültige Lösung sein, weil die Räumlichkeiten von der Musikschule Volmetal für Ballett-Unterricht beansprucht wurden. Die Schachspieler fanden erneut ein neues Heim: In der alten Hausmeister-Wohnung der Grundschule Klagebach bezog man Quartier, nach Fertigstellung eines schall-isolierten Mehrzweckraumes bestanden dort auch ideale Spielmöglichkeiten. Allerdings war das Verweilen an der ohnehin von der Lage in der Gemeinde her nicht idealen Spielstätte auch nicht von längster Dauer. Nachdem alle Renovationen am Ziegenberg zum Abschluss gebracht worden waren, machte man neue Pläne: Eine Schulküche sollte es sein. Dafür hatte der Schachclub zu weichen.
Also auf zum Schulzentrum Löh. Damit hatte man in Vorstandskreisen insgeheim ohnehin geliebäugelt. Mit dem Bau der neuen Grundschule und dem Umbau der neuen, sehr viel größeren Ganztagsschule hatte die Gemeinde dem Schachclub auch ursprünglich signalisiert, daß ein eigener Raum in dem großen Komplex der Ganztagsschule für die Schachspieler reserviert werden sollte. Dieser Gedanke geriet allerdings bei den Planungen in Vergessenheit. Alle Räume wurden von der Schule verplant. Kein Platz für Denksportler. Alternativ machte man sich Gedanken über die nach dem Umbau nicht mehr benutzten Schultoiletten im Untergeschoss der Sporthalle Löh. Da die Zeit am Ziegenberg drängte und Alternativen ausschieden, ging man an die Planung. Der Schachclub erhielt einen kleineren Raum, durfte aber fortan auch den übrigen ehemaligen Toilettenraum, in dem die Ganztagsschule eine Stätte für Verkehrserziehung und die Reparatur von Mopeds und Fahrrädern eingerichtet hatte, an den Spielabenden mitbenutzen. Was von der Größe her sehr gut passte, allerdings durch sehr spartanisches Ambiente gerade bei Mannschaftskämpfen nicht unbedingt eine gute Werbung für den Schachsport war und ist. Während der SC seinen Raum in Eigenarbeit aufwendig renoviert hatte, wurde der Raum der Ganztagsschule soweit in Ordnung gebracht, wie es unbedingt erforderlich war. Was indes zur Folge hat, dass der Besucher sich unweigerlich an die frühere Bestimmung dieser Örtlichkeit erinnert fühlt. Da zudem an Wochenenden durch die Handballer eine Etage höher die Lärmentwicklung teilweise enorm ist, kann mit Fug und Recht konstatiert werden, dass das Bezirksklassenteam in der Vergangenheit schon in weitaus angenehmeren Räumlichkeiten seine Heimspiele ausgetragen hat. Für den Spielbetrieb in der Woche sind die Räume indes nicht tragisch – er kann problemlos abgewickelt werden.



Große 25-Jahr-Feier in der Jahnturnhalle



Man hatte schon die Räumlichkeiten in der Viktoriastraße bezogen, da wurde ausgiebig das 25-jährige Jubiläum gefeiert. Mit Vertretern von Verwaltung und Politik feierte ein damals florierender Verein das Vierteljahrhundert in der Jahnturnhalle. Es war ein Fest, das allen Beteiligten noch gut in Erinnerung sein dürfte.
1990 endete die Ära Piotrowski. Auf eigenen Wunsch trat der damals 69jährige Vorsitzende zurück. Wahrlich, er hat viel geleistet, hat gelebt für den Verein. Piotrowski ist in die Schulen gegangen und hat dort immer wieder neue Schachschüler rekrutiert. Er hat die Organisation von diversen Turnieren in der langen Geschichte stets problemlos gemeistert. Piotrowski war und ist über den Verein hinaus ein angesehener Mann, sollte sogar einmal als Bezirksvorsitzender vorgeschlagen werden, worauf er aber aus Zeitgründen verzichtete. Sein Rat wurde im Ehrenrat des Schachverbandes gerne gehört. Er war ein weit über die Grenzen hinaus bekannter Fachmann.
Weit über 500-mal hat Piotrowski, der im Sommer 2005 verstarb, für den Schachclub Schalksmühle/Hülscheid gespielt, insgesamt in seiner Laufbahn über 90 Titel gewonnen. Bei Simultan-Veranstaltungen im Bezirk mit Größen wie Dr. Euwe, Dr. Unzicker, Darga oder Keres war er bei der Organisation beteiligt. Er war es auch, dem der Bezirk die Ausrichtung von Stichkämpfen zwischen Hagen, Olpe und der Lüdenscheider Schachvereinigung in Schalksmühle übertrug. Piotrowski war der über die Jahre erfolgreichste Spieler im Schalksmühler Schachclub. Ihm folgten Spieler wie Roger Berghaus, Willi Velten oder Waldemar Bahlo. Ehre über den Verein hinaus erlangte neben Piotrowski, der anlässlich seines 70. Geburtstages zum Ehrenvorsitzenden des Vereins ernannt wurde, noch ein weiterer Schalksmühler. Der ehemalige Realschul-Rektor Franz Leow nahm aktiv am Schalksmühler Vereinsleben teil. Er war vorher bereits Protokollführer beim Schachverband Nordrhein/Westfalen gewesen. Inzwischen ist Franz Leow verstorben.



Stark verjüngter Vorstand ab 1990



1990 übernahm Frank Eilingsfeld die Leitung des Schachclubs. Erste Amtshandlungen des stark verjüngten Vorstandes – mit Thomas von Knebel, Thomas Machatzke und Christian Bien kamen drei 18jährige in den Vorstand – waren die Renovierung der Räumlichkeiten in der Viktoriastraße und die Einführung einer Vereinssatzung. Außerdem baute Thomas von Knebel eine neue Jugendabteilung auf, aus der bald die ersten guten Spieler für den Senioren-Bereich rekrutiert wurden. Thomas von Knebel fungierte bis zur Jahreshauptversammlung im Januar 1999 als Jugendwart. Aus beruflichen Gründen gab der nach Düsseldorf verzogene von Knebel das Amt an Tobias Klampt weiter.
Ebenfalls aus beruflichen Gründen trat Frank Eilingsfeld 1994 auf der Jahreshauptversammlung nicht mehr als erster Vorsitzender an. Seine Nachfolge übernahm Thomas Machatzke, neuer Stellvertreter wurde Thomas von Knebel. Dieses Führungsduo wurde auch im 40. Jahr des Bestehens erneut an die Spitze des Vereines gewählt.
Kontinuität ist hingegen bei den Schachspielern auf anderer Position im Vorstand angesagt: Kassenwart ist seit Ewigkeiten Hermann Holzrichter, der auch heute im Alter von 74 Jahren noch alle Kassengeschäfte des Vereins zuverlässig regelt. Für den Posten des Spielleiters galt bis 1998 Ähnliches: Seit seinem Vereinsbeitritt 1964 bekleidete Uldis Saturins diese Position, für die er aus Altersgründen Anfang 1998 nicht mehr zur Verfügung stand. Saturins wurde zum Ehrenspielleiter ernannt. Die Nachfolge übernahm sein jahrelanger Stellvertreter Christian Bien, der jedoch sein Amt Anfang 1999 aus beruflichen Gründen niederlegte. Seitdem fungiert Klaus Eckhardt als neuer Spielleiter und hat im ersten Halbjahr seiner Amtszeit bereits wieder viel verlorengegangene Ordnung zurückgebracht in den vereinsinternen Spielbetrieb.



Vier Jahre in der Bezirksliga



Sportlich hat das vierte Jahrzehnt des Vereins wenig Spektakuläres zu bieten gehabt. Die erste Mannschaft spielte mal ordentlich, mal weniger in der Bezirksklasse. Die neuformierte Jugendmannschaft indes verdiente sich zweimal Aufstiegslorbeeren und geht zum auslaufenden Jahrtausend eine Klasse höher als die Herren in der Bezirksliga an den Start.Die erste Mannschaft stieg im Jahr 2000 in die Bezirksliga auf und spielte fortan vier Spielzeiten in der höchsten Spielklasse des Schachbezirks. In der Saison 03/04 erwischte den SC 1959 aber - der Abstieg war unnötig. So spielte der SC nun wieder in der Spielklasse, in der er fast immer in seiner Geschichte zu Hause war - in der Bezirksklasse. In der Saison 04/05 gelang aber die direkte Rückkehr in die Bezirksliga und anschließend auch wieder der Klassenerhalt.
Zu Hause ist der SC 1959 seit 2001 im Feuerwehrgerätehaus an der Volmestraße. Dort zahlt der Klub erstmals in der Historie eine - allerdings moderate - Miete an die Gemeinde und hat optimale Spielbedingungen.